Kolumne Blickwinkel im Pöschtli

Viele der Schweizer Pflanzen- und Tierarten sind bedroht. Ihre Lebensräume werden immer kleiner. Das Thema bleibt leider oft abstrakt, im Alltag nicht zugänglich und reduziert auf «Ökofragen». Die natürliche Vielfalt ist allerdings direkt vernetzt mit uns, unseren Wirtschafts- und Lebenswelten. Denn vielfältige Natur, die Biodiversität sichert das Überleben für alle auf der Erde vorkommenden Organismen. Wir profitieren von vielen durch die Biodiversität erzeugten Leistungen, die uns u.a. Nahrung, Rohstoffe, Baumaterialien und medizinische Wirkstoffe liefern. Ökosysteme reinigen Luft und Wasser, sorgen für fruchtbare Böden, schützen uns vor Naturkatastrophen und schwächen die Auswirkungen des Klimawandels ab. Biodiversität ist Naturkapital, welches wirtschaftliche Wertschöpfung überhaupt ermöglicht: «too big to fail» fürs Leben! Sehr naheliegend und verständlich wird dies im Tourismus. Aktuelle Studien beziffern den ökonomischen Wert der schweizerischen Landschaften für die touristische Nutzung auf fast 20 Milliarden Franken. Diese elementare Bedeutung von Biodiversität und attraktiven Landschaften für den Tourismus werden noch zu wenig anerkannt. Im Gegenteil wird bisweilen weiterhin die «alte Kamelle» wiederholt, dass Umwelt- und Landschaftsschutz Entwicklung nur verhindern würden. Wenn immer mehr Arten aussterben, wenn Kulturlandschaften ausgeräumt, banalisiert und verbaut werden, verlieren unsere Umwelt- und Wirtschaftssysteme zunehmend an Stabilität. In einer artenarmen Umgebung fehlen die Optionen, wenn sich die Rahmenbedingungen ändern. Jede unternehmerisch tätige Person weiss, dass man bestenfalls verschiedene Standbeine braucht, um flexibel und stabil zu bestehen in der Wirtschaftswelt. Denn Einfalt statt Vielfalt führt zu einem labilen Klumpenrisiko. Genauso verhält es sich mit der Biodiversität. Wenn wir nichts gegen den Artenverlust tun, fehlen uns im stetigen Wandel des Lebens verschiedene Entwicklungsmöglichkeiten und unsere Systeme drohen zu kippen. Wen kümmert’s? Immer mehr sind vorbildlich und ganz praktisch aktiv: z.B. in der Berglandwirtschaft, in der Freiwilligenenarbeit von Umweltverbänden, im Rahmen von Aufwertungsmassnahmen in den Bündner Pärken, in unaufgeräumten und wilden Privatgärten, beim regionalmotivierten Kaufentscheid auf dem Wochenmarkt etc. .Denn eine hohe Biodiversität macht das Leben widerstandsfähiger und einfach auch bunter.