Kolumne in der Südostschweiz

Das Verständnis von Kultur und Tourismus ist vielfältig. Was dem Tourismus stereotyp anhaftet ist ein Banalitätsverdacht. Im Gegenzug gilt Kultur als elitär und brotlos. Auf jeden Fall ist Kultur, seit es Tourismus gibt ein wichtiges Reisemotiv. 1.5 Millionen Leute liefen im Sommer 2016 innerhalb von zwei Wochen über die «Floating Piers» von Christo auf dem Iseosee. Die im Januar 2017 eröffnete Elbphilharmonie in Hamburg wurde im ersten Jahr von 4.5 Millionen Menschen besucht. Die meisten kamen «nur», um das Gebäude zu sehen. Konzerttickets sind auch kaum erhältlich. Überall in den Städten entstehen neue Orte, die Kunst, Handwerk, Ess- und Agrikultur wieder zelebrieren und Quartiere beleben. Designwerkstätte werden eingerichtet, Urban Farmers bepflanzen Bürodächer, Gin-Destillerien entstehen in Hinterhöfen. Kultur und Kreativwirtschaft machen Städte wieder attraktiv und ökonomisch interessant. Tourismus ist eng gekoppelt an den gesellschaftlichen Wandel. Die Sehnsucht nach Kultur spiegelt den Wunsch der Menschen nach Sinn, Substanz und Können vom Ort. Leider ist das nicht nur ein Segen. Die massentaugliche Liebesbekundung der vielen Kulturhungrigen überfordern bisweilen Städte wie Barcelona oder Venedig. Der Blick über die sieben Berge hinweg, zeigt aber kulturtouristische Perspektiven für Graubünden. Denn genau die «Provinz» hat grosses Potenzial, weil sie die Ingredienzen – Kultur, Substanz und Lebensqualität – in sich trägt. Natürlich kleiner und günstiger als die «Elphi» in Hamburg und nicht auf die Masse ausgelegt, aber trotzdem bedeutungsvoll im Rahmen der Bündner Realitäten. Daraus leiten sich vier Thesen zum Kulturtourismus in Graubünden ab:

  • 1. Kultur- und Kreativwirtschaft können ökonomische und gesellschaftliche Treiber für Graubünden als Wirtschafts- und Lebensraum sein. Alle Voraussetzungen sind vorhanden. Es fehlen der Kooperationswille und die gemeinsamen Ideen. Die Vernetzung von Kultur und Tourismus bietet neue Möglichkeiten – hin zu mehr Nachhaltigkeit und zu einem Ganzjahrestourismus.
  • 2. Kulturtouristische Inhalte liefern Geschichten für viele Angebote. Sie sind nicht in erster Linie nur kommerziell interessant, sondern sie beeinflussen massgeblich die Wahrnehmung von Graubünden. Kultur bietet darum eine einzigartige Möglichkeit den Kanton und die Tourismusregionen zu positionieren. Kultur macht Graubünden unverwechselbar!
  • 3. Kultur und Tourismus bringt die Menschen zusammen. Ein ganzheitlicher Kulturtourismus löst die Unterscheidung zwischen Gästen und Einheimischen auf. Kulturtourismus ist Begegnung, er fördertdas gegenseitige Verständnis über die Grenzen hinweg und er verfolgt das Ziel für ein gutes Leben für Alle.
  • 4. Kultur ist vielmehr oder viel wertvoller als reiner Kommerz. Der Tourismus muss mit dieser Einsicht umgehen können, mehr über Kultur wissen und auch Verantwortung übernehmen, damit Kultur geschaffen wird und damit Kultur auch erhalten bleibt. Der Verein graubünden cultura basiert auf diesen Thesen und hat zum Ziel Kulturtourismus in Graubünden kooperativ zu stärken. Es geht letztendlich darum mit Kultur und Tourismus Wertschöpfung und Lebensqualität in den Bündner Regionen zu halten. Es lohnt sich gemeinsame Vorstellungen, Ziele und Ideen zu formulieren, damit man nicht konzept- oder kopflos vorwärtsgeht.