Kolumne Blickwinkel im Pöschtli

Geschichten formen Bilder in unseren Köpfen. Beispielhaft zeigt sich das am Bild der Natur. In früheren Gesellschaften war wilde Natur eine Gefahr, welche gezähmt werden musste. Niemandem kam es in den Sinn, aus reinem Selbstzweck einen Berg zu besteigen. Die Aufklärung brachte neue Geschichten über die Natur. Diese wurde zunehmend als heile Welt verklärt. Die Bergwelt veränderte sich vom Schreckens- zum Sehnsuchtsort. Was auch den alpinen Tourismus im 19. Jahrhundert in Schwung brachte. Bergebesteigen wurde sinnhaft und schöne Landschaften sind bis heute die wichtigsten Reisemotive. Eigentlich würde man meinen, dass Natur darum im Tourismus besonderen Schutz erfährt. Aber aus der Sehnsucht wurde ein verkaufbares Produkt. Weil der Rohstoff für das Produkt – die Natur – nichts kostet, wird dieser gratis verbraucht. Können wir die aktuellen Herausforderungen mit diesen ökonomischen Mechanismen bewältigen? Der Glaube daran ist erschüttert. Denn die vermeintlich heile Natur ist immer mehr ausverkauft. Zu viele natürliche Grundlagen werden weltweit unwiederbringlich zerstört. Es wird deutlich, dass aktuelle Probleme wie die Klimaerwärmung neue Bilder einfordern. Denn die Alten haben uns die Schwierigkeiten miteingebrockt. Wir brauchen eine ganzheitliche Haltung, welche nicht nur die ökonomischen, sondern auch die gesellschaftlichen und die ökologischen Perspektiven gleich gewichten. Aktuell treffen sich viele globale Entscheidungsträger:innen wieder am WEF in Davos. Es ist notwendig, dass ihre (und unsere) Weltbilder über den Kontostand hinaus gehen. Denn die Natur- und Kulturlandschaften haben auch einen «Preis». Sie ermöglichen ein nachhaltiges Leben und Wirtschaften für spätere Generationen.